Anhaltende Hitzewelle und Wassersituation in Deutschland
erste Hitzewelle des Sommers könnte neue Temperaturrekorde für den Monat Juni bringen
anhaltende Hitze und ausbleibende Niederschläge beeinflussen Bodenfeuchte und Grundwasserstände; lokal wurde bereits auf den sorgsamen Umgang mit Trinkwasser hingewiesen
laut Experten startete der Sommer in Teilen Deutschlands mit relativ niedrigen Grundwasserständen; aktuell sehen sie jedoch nur wenige Probleme für die Wasserversorgung
Eine frühe Hitzewelle hat Deutschland im Juni 2026 erfasst – und trifft vielerorts auf bereits verhältnismäßig trockene Böden. Diese Kombination könnte die Grundwassersituation verschärfen: Denn die aktuelle warme Luftmasse über West- und Mitteleuropa übt eine kuppelartige Wirkung aus, in der die Wolken- und Niederschlagsbildung weitgehend unterdrückt wird [I]. Hitze, hohe Verdunstung und ausbleibende Niederschläge durch einen solchen „Hitzedom“ (heat dome) verringern die Bodenfeuchtigkeit und führen durch den erhöhten Wasserbedarf der Vegetation zu einem schnelleren Absinken oberflächennaher Grundwasserstände [II].
Insbesondere der Süden und Osten Deutschlands gehen schon mit einem Bodenfeuchtedefizit und Dürrebedingungen im Oberboden in die aktuelle Hitzewelle [III]. Die Gründe: Zwar sind die Grundwasserstände im Winter 2025/26 wie üblich gestiegen, jedoch weniger stark als im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt [IV]. Auch das Frühjahr 2026 war insgesamt niederschlagsarm, mit nur etwa 70 Prozent der langjährigen Niederschlagssumme über Deutschland [V] . Angesichts der Hitze riefen Versorger lokal zu einem sorgsamen Umgang mit Trinkwasser auf.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter, IWW Institut für Wasserforschung, Mülheim an der Ruhr
Bewertung der aktuellen Lage
„Die Grundwasserstände sowie die Füllungen der Talsperren waren Anfang Juni 2026 in Norddeutschland nicht außergewöhnlich niedrig. In Teilen von Süddeutschland ist die Situation anders. Hier startete der Sommer mit relativ niedrigen Grundwasserständen.“
„In Süd- und Ostdeutschland sehen wir nun vermehrt die Folgen der sommerlichen Hitzewelle im Boden und am Grundwasser. Die betroffene Fläche ist aber deutlich größer. Seit Mitte Juni meldet der Boden- und Grundwasserdürreindex der NASA (Area: ‚Europe‘; Anm. d. Red.) außergewöhnlich trockene Böden und niedrige Grundwasserstände in einem Gebiet, das von Ostfrankreich über Süd- und Ostdeutschland, Polen und Tschechien bis zur Ukraine reicht. Trockenheit ist zunehmend ein länderübergreifendes Problem. Neben lokalen Lösungen sind daher auch länderübergreifende Ansätze gefragt.“
„Die Wasserwirtschaft wird nun genau beobachten, wie lange das Hochdruckgebiet bleibt und ob ein weiteres in diesem Sommer dazukommt.“
Vergleich mit früheren Trockenjahren
„In diesem Sommer zeigt sich ein Muster, das wir in den Jahren seit 2003 häufiger beobachtet haben. Das Frühjahr – vor allem der April – war in einigen Regionen von Deutschland außergewöhnlich trocken. Ein im Sommer folgendes Hochdruckgebiet – so wie das aktuelle Hochdruckgebiet – führt dann zu einer hohen Sonneneinstrahlung. Aus den trockenen Böden kann nicht mehr viel Wasser verdunsten, sodass kaum Kühlung eintritt. Die Folge ist eine Hitzewelle. Der Wasserverbrauch steigt.“
Handlungsoptionen für Verbraucherinnen und Verbraucher
„Wassersparen ist immer sinnvoll. Viele sind bereits vorbereitet und haben beispielsweise eine Regentonne im Garten.“
„Aktuell gibt es nur wenige Probleme in der Wasserversorgung. Sollte die Trockenheit anhalten, dann wird es im Spätsommer sicherlich Regionen geben, in denen die Wassernutzung eingeschränkt werden könnte.“
Leiter des Dürremonitors, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Leipzig
Bewertung der aktuellen Lage
„In Hitzephasen wird besonders auf den Wasserhaushalt und speziell auf Trockenheit geschaut. Dabei ist die aktuelle Dürre ein Resultat der ungewöhnlichen Niederschlagsarmut der vergangenen etwa acht Monate. Die aktuelle Witterung hat kaum einen Einfluss.“
„Die Trockenheit zeigt sich sowohl in der relativ niedrigen Bodenfeuchte, den unterdurchschnittlichen Grundwasserständen und den Niedrigwassersituationen in Oberflächengewässern. Regional sind vor allem der Süden und Osten Deutschlands betroffen. Die aktuellen Aufrufe zum Wassersparen sind teilweise begründet durch die Sorge vor Dürreschäden wie der Schädigung von Wäldern und Ökosystemen.“
Handlungsoptionen für Verbraucherinnen und Verbraucher
„In der aktuellen Hitzeperiode kommt die technische Grenze der Wasserversorgung hinzu. Wasser wird schneller nachgefragt als durch die technische Infrastruktur gefördert und transportiert werden kann. Im schlimmsten Fall können Haushalte zeitweilig nur eingeschränkt versorgt werden – weit von Hochbehältern entfernte Haushalte sogar gar nicht mehr. Daher ist Wassersparen in Dürrephasen oder Hitzewellen geboten, wenn die Wasserversorgung dazu aufruft.“
Leiter der Forschungsgruppe „Integrierte Modellierung terrestrischer Systeme“, Institut für Bio- und Geowissenschaften, Agrosphäre (IBG-3), Forschungszentrum Jülich (FZJ)
Bewertung der aktuellen Lage
„Die Wassernutzung von Menschen, Tieren und Vegetation erhöht sich teilweise stark während einer Hitzewelle. Es kann lokal und regional zur verstärkten Austrocknung von Oberflächen-, Boden- und Grundwasser kommen. Der zukünftige Verlauf der aktuellen Lage in Deutschland wird von der Dauer der Hitze- und Trockenperiode abhängig sein. Auf der Wetterzeitskala – das heißt bis neun Tage in die Zukunft – liefert der Wassermonitor experimentelle Vorhersagen zur zukünftigen Trockenheit.“
Auf die Frage, welche Indikatoren, etwa Niederschlag, Bodenfeuchte, Grundwasserstände oder Flusspegel, derzeit besonders aussagekräftig sind, um die Lage zu beurteilen :
„Die Frage kann nicht generell beantwortet werden. Die Auswahl und Nutzung geeigneter Indikatoren ist immer abhängig von einer konkreten Fragestellung und muss angepasst an die jeweilige Ausprägung der Trockenheit in den Regionen erfolgen.“
„Aus einer langfristigen klimatologischen Perspektive sind im Juni sehr starke Hitzewellen verbunden mit sehr langer Trockenheit eher selten. Durch den Klimawandel können sie jedoch häufiger schon am Sommeranfang auftreten. Das muss bei der Planung von Klimaanpassungsmaßnahmen berücksichtigt werden.“
Vergleich mit früheren Trockenjahren
„Im experimentellen Wasserressourcen-Bulletin (eWRB) für Deutschland des Forschungszentrum Jülich zeigt der Frühlings-Rückblick [1], dass bereits der Winter 2025/26 deutschlandweit zu trocken war. Das hat die aus 2025 bestehenden Defizite des Bodenwasserspeichers bis 60 Meter Tiefe insbesondere in der Mitte, im Süden und im Osten Deutschlands deutlich verstärkt.“
„Die aktuelle Sommer-Ausgabe [2] zeigt eine klare Tendenz zur Verstärkung dieser Defizite während des Sommers, sodass die Werte der Dürresommer 2018, 2019, 2020 und 2022 übertroffen werden könnten. Durch die Niederschläge der letzten Wochen zeigt unser Modell allerdings nur leichte Defizite in den oberen Bodenschichten, das heißt in bis zu zwei Meter Tiefe.“
„Durch das vergleichsweise trockene hydrologische Winterhalbjahr 2026 ist auch die Erneuerung der Grundwasserressourcen unterdurchschnittlich geblieben. Aus der Perspektive der Wasserversorgung bedeutet das: Auch 2026 verlängert sich die Stresssituation, in der sich die Grundwasserbewirtschaftung seit vielen Jahren befindet.“
Handlungsoptionen für Verbraucherinnen und Verbraucher
„Durch das sehr schnell einsetzende Sommerwetter waren einige Wasserversorger mit Verbrauchsspitzen konfrontiert, die ihre kurzfristig verfügbare Wassergewinnung oder - speicherung zu übersteigen drohten. Daher wurde teilweise zu Wassersparmaßnahmen aufgerufen. Die Wasserversorgung in Deutschland basiert hauptsächlich auf Grundwasser.“
„Die Wasserversorger haben über die Wasserrechtsvergabe zugesicherte Grundwasserressourcen zur Verfügung. Diese Grundwasserresourcen sind derzeit vorhanden. Knappheitsphänomene treten beispielsweise dann auf, wenn Wassernachfrage und Wassergewinnung in ein Ungleichgewicht kommen.“
Das Statement entstand in Zusammenarbeit mit Dr. Alexandre Belleflamme, Dr. Klaus Goergen und Dr. Frank Herrmann, die gemeinsam mit Prof. Dr. Stefan Kollet am Forschungszentrum Jülich tätig sind.
„Ich habe keine Interessenkonflikte.“
„Es liegen keine Interessenkonflikte vor.“
Alle anderen: Keine Angaben erhalten
Literaturstellen, die von den Expert:innen zitiert wurden
[1] Forschungszentrum Jülich in der Helmholtz-Gemeinschaft (2026): FZJ Experimentelles Wasserressourcen-Bulletin für Deutschland, Frühling 2026. Stand: 26.03.2026.
[2] Forschungszentrum Jülich in der Helmholtz-Gemeinschaft (2026): FZJ Experimentelles Wasserressourcen-Bulletin für Deutschland, Sommer 2026. Stand: 23.06.2026.
Literaturstellen, die vom SMC zitiert wurden
[II] ECMWF Copernicus (18.07.2024): Heatwaves – a brief introduction. Webseite.
[III] Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (22.06.2026): Dürremonitor. Webseite
[IV] Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (11.03.2026): Winter 2025/26: Langjährig trockener als normal, mit nassem Ende nach sehr trockenem Start. Webseite.
[V] Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (22.06.2026): Frühjahr 2026 mit großen regionalen Gegensätzen. Webseite.
Dr. Thomas Riedel
Wissenschaftlicher Mitarbeiter, IWW Institut für Wasserforschung, Mülheim an der Ruhr
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Ich habe keine Interessenkonflikte.“
Dr. Andreas Marx
Leiter des Dürremonitors, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Leipzig
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Es liegen keine Interessenkonflikte vor.“
Prof. Stefan Kollet, Ph.D.
Leiter der Forschungsgruppe „Integrierte Modellierung terrestrischer Systeme“, Institut für Bio- und Geowissenschaften, Agrosphäre (IBG-3), Forschungszentrum Jülich (FZJ)