Cochrane-Review: Intervallfasten zum Abnehmen
Metaanalyse untersucht, inwiefern Intervallfasten Personen mit Übergewicht beim Abnehmen helfen kann
Intervallfasten wird als Abnehm-Methode genutzt, die Wirksamkeit ist bisher wissenschaftlich nicht gut gesichert
laut unbeteiligter Forschender ist die Auswahl der eingeschlossenen Studien zwar nach Cochrane-Standard, aber zu klein und zu unterschiedlich, um die Fragestellung klären zu können
Inwiefern Intervallfasten Übergewichtigen beim Abnehmen helfen kann, dieser Frage ging ein internationales Team an Forschenden in einem systematischen Cochrane-Review nach. Nach einer anfänglichen Literatursuche schlossen sie in ihre Analyse 22 randomisiert-kontrollierte Studien ein und werteten diese nach zwei Fragestellungen aus: Ist Intervallfasten für Erwachsene mit Übergewicht und Adipositas wirksamer zur Gewichtsreduktion als herkömmliche Diätempfehlungen? Und: Wie wirkt sich Intervallfasten auf die Lebensqualität, den Diabetesstatus, die Blutfettwerte und auf unerwünschte Nebenwirkungen aus? Die Ergebnisse sind in der „Cochrane Database of Systematic Reviews“ veröffentlicht worden (siehe Primärquelle).
Unter den Begriff Intervallfasten fallen verschiedene Ernährungsmethoden, die in regelmäßige Essens- und Fastenphasen unterteilt sind. Diese Phasen können je nach Methode sehr unterschiedlich sein (siehe Glossar). Auch die in die Metaanalyse eingeschlossenen Studien waren entsprechend heterogen. Sie hatten verschiedene Intervallfastenmethoden untersucht, die zum Teil in Verbindung mit einer Kalorienrestriktion durchgeführt worden waren.
Studienarzt in der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin (Deutsches Zentrum für Diabetesforschung / DZD), Campus Benjamin Franklin (CBF), Charité – Universitätsmedizin Berlin
Einordnung der Studie
„Der aktuelle Cochrane-Review ist eine von fast 100 Metaanalysen zum Intervallfasten, die in den vergangenen Jahren publiziert wurden. Diese Analysen unterscheiden sich maßgeblich in den Einschlusskriterien für auszuwertende oder zu ignorierende Studien. Intervallfasten ist ein sehr uneinheitliches Ernährungskonzept, das Varianten wie Alternate Day Fasting (ADF), frühes und spätes Time-Restricted Eating (earlyTRE, lateTRE), One-meal-a-day (OMAD) oder 5:2-Fasten (Form des Intervallfastens, bei der an fünf Tagen pro Woche normal gegessen und an zwei Tagen pro Woche die Kalorienzufuhr stark reduziert wird; Anm. d. Red.) abdeckt. All diese Varianten kann man hypo- (Energiezufuhr unter dem individuellen Energiebedarf; Anm. d. Red.) oder isokalorisch (Energiebedarf wird genau durch die zugeführten Kalorien gedeckt; Anm. d. Red.) durchführen, mit oder ohne zusätzliche Änderung der Nahrungszusammensetzung oder auch der Mahlzeitenfrequenz. Die gesamte Studienlage beinhaltet also dutzende Spielarten des Intervallfastens, die man nicht in einen Topf werfen sollte. Hinzu kommen die Variabilität der Proband:innenzielgruppe, der Studiendauer, der Kontrollgruppe und anderer Faktoren. All diese Studieneigenschaften beeinflussen das Ergebnis.“
„Der aktuelle Cochrane-Review fokussiert sich ausdrücklich auf Studien zur Behandlung von Übergewicht beziehungsweise Adipositas mit einer Therapiedauer von mindestens vier Wochen und einer Nachbeobachtung von mindestens sechs Monaten bei Einbeziehung aller Intervallfastenformen und unabhängig von der Art der Kontrollgruppen; diese spezifische Studienauswahl ist neu. Von über 100 weltweit publizierten randomisiert-kontrollierten Studien (RCTs) zum Intervallfasten mit mehr als 7000 Teilnehmer:innen insgesamt bleiben somit nur 22 Studien mit knapp 2000 Proband:innen für die aktuelle Cochrane-Meta-Analyse übrig.“
„Allerdings gibt es noch strenger definierte Meta-Analysen, die mehr Studien einbezogen haben, sodass möglicherweise im Cochrane-Review Studien übersehen wurden [1]. Die Datenfülle ist also nicht besonders groß, sie ist aber zumindest relativ spezifisch für Menschen mit Übergewicht/Adipositas und für eine Anwendung von Intervallfasten über einen längeren Zeitraum hinweg aussagekräftig. Da auch Studien eingeschlossen wurden, die zusätzliche Erkrankungen wie Typ-1-Diabetes, Typ-2-Diabetes, Leberzirrhose oder Nierenerkrankungen duldeten, ist die Aussagekraft aber auch wieder limitiert.“
Bisherige Evidenzlage
„Bisherige Meta-Analysen mit anderen oder ähnlichen Filterkriterien haben übereinstimmend keinen besonderen Vorteil von Intervallfasten gegenüber vergleichbaren Diätinterventionen mit vergleichbarer Kalorienreduktion ermittelt. Stärkere Gewichtsabnahme ergab sich in der Regel nur im Vergleich zu keiner Ernährungsumstellung [2] [3]. Auch hinsichtlich der Stoffwechsellage oder der Entzündungsreaktion zeigten bisherige Meta-Analysen keinen eindeutigen Zusatznutzen durch Intervallfasten oder einen relevanten Vorteil einer bestimmten Intervallfasten-Variante. Tatsächlich errechnete Vorteile in früheren Analysen fielen stets gering aus und waren immer erklärbar durch eine Kombination von Intervallfasten mit zusätzlichen Ansätzen, wie zum Beispiel einer Low-fat- oder Low-carb-Diät. Durch das Intervallfasten allein konnte man bisher keine Vorteile erklären [3] [4]. Der Cochrane-Review passt also ins Bild.“
„Die Evidenzlage zum Intervallfasten ist sehr unsicher, obwohl es mehr als 100 randomisiert-kontrollierten Studien (RCTs) gibt – in diesem systematischen Review und Metaanalyse sind es 22 Studien. Das Hauptproblem ist die große Vielfalt an Intervallfasten-Varianten, die alle unter dem gleichen Oberbegriff geführt werden, aber oftmals selbst in der Studienbeschreibung nicht klar genug dokumentiert sind. Die studienmethodische Vielfalt setzt sich in anderen Aspekten fort (Studiendauer, Kontrollgruppe, Probandenzielgruppe). Langzeitdaten, wie Studien von mehr als zwei Jahren Dauer, existieren praktisch gar nicht. Die allermeisten Studienteilnehmer waren Frauen. Fast alle Studien hatten eine relativ geringe Probandenzahl, was statistische Fehlschätzungen begünstigt. Viele wichtige Daten wurden und werden zu selten erhoben, berichtet beziehungsweise kritisch analysiert, das sind zum Beispiel Stoffwechselwerte, Lebensqualität, Adhärenz, Abbruchrate, Nebenwirkungen und schwerwiegende Gesundheitsereignisse (Hospitalisierung, Tod). Selbst für den vermeintlich simplen Parameter ‚Körpergewicht‘ ist es auch wichtig, ob und wie sich die Körperzusammensetzung ändert, ob also Fettmasse oder Muskelmasse verloren geht. Mehrere RCTs berichten den vorrangigen Verlust von Muskelmasse, selbst bei isokalorischem Intervallfasten. Und selbst die im Cochrane-Review eingeschlossenen 22 Studien weisen oft weitere vermeidbare methodische Schwächen auf: zum Beispiel risk-of-bias-Domänen, zweifelhaft saubere Randomisierung, fehlende Verblindung der Outcomes, unvollständiges Reporting der Ergebnisse. All diese Datenlücken bildet auch der aktuelle Cochrane-Review transparent ab.“
Kein Effekt von Intervallfasten beim Abnehmen?
„Die Studie zeigt in Übereinstimmung mit früheren Arbeiten, dass Intervallfasten keine stärkere Gewichtsreduktion erzeugt als eine andere hypokalorische Ernährungsumstellung. Eine stärkere Gewichtsreduktion tritt nur auf, wenn die Kontrollgruppe gar keine Kalorienreduktion vornehmen durfte. Die Größe der Effekte ist typischerweise klein, also klinisch irrelevant. Die Abbruchraten sind mitunter sehr hoch. In vielen Studien wurde Intervallfasten nicht isoliert angewendet, sondern in Kombination mit weiteren Gesundheitsmaßnahmen, wie Sport, einer Änderung des Nährstoffmusters und weiteren. Ob also Intervallfasten überhaupt die wirksame Komponente war, ist unklar. Hinzu kommt, dass die Gewichtsreduktion durch Intervallfasten nicht mit einer erkennbaren Verbesserung der Lebensqualität einherging. Auch das Auftreten schwerwiegender Ereignisse, wie zum Beispiel Krankenhausaufenthalte oder Tod, war unter Intervallfasten nicht geringer, sondern tendenziell sogar höher. Zu Stoffwechselaspekten trifft der Cochrane-Review keine Aussage.“
Intervallfasten als Mittel zur Gewichtsreduktion
„Bislang kann nicht beurteilt werden, ob Probanden in randomisiert kontrollierten Studien zum Intervallfasten durch das Intervallfasten oder durch begleitende Studieninterventionen abgenommen haben – also beispielsweise durch Sport oder einen Low-carb-Ansatz. Aufgrund der hohen Vielfalt von Intervallfasten-Varianten lässt sich kein spezifisches Intervallfasten empfehlen (ADF, 5:2; OMAD, earlyTRE oder lateTRE mit mehr oder weniger Mahlzeiten pro Tag (Begriffserklärungen im Glossar; Anm.d. Red.)). Während sich die Datenlage dazu verdichtet, dass reines Intervallfasten womöglich keinen Vorteil bei einer gesunden, erwünschten Gewichtsreduktion bei Übergewicht oder Adipositas bietet, gibt es zunehmend Hinweise auf Risiken durch Intervallfasten: zum Beispiel bei gesunden normalgewichtigen Menschen, aber auch hinsichtlich Muskelverlust oder ‚adverse events‘ bei Übergewicht/Adipositas.“
Hype um Intervallfasten
„Der Hype um Intervallfasten war zu keiner Zeit von überzeugenden Humanstudien untermauert, sondern verfrüht bis ungerechtfertigt. Auch in Deutschland wurde somit voreilig eine Empfehlung ausgesprochen, die nicht auf hochwertigen Studiendaten beruhte. Da viele Menschen bewusst oder unbewusst trotzdem Intervallfasten anwenden, sollte diese Ernährungsform weiterhin systematisch untersucht werden, um das mögliche Schadenspotenzial besser beziffern zu können. Es ist weiterhin möglich, dass ganz bestimmte Formen von Intervallfasten bei ganz bestimmten Personengruppen einen Vorteil bieten – gegebenenfalls aber auch oder nur in Kombination mit weiteren Maßnahmen. Auch hierzu braucht es weiterhin viele randomisiert-kontrollierte klinische Studien am Menschen. Mit dem Wissen um die Wirkung des Intervallfastens beim Menschen stehen wir noch immer ziemlich am Anfang.“
Sprecherin und Vorstandsmitglied des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) sowie ehemalige Leiterin der Abteilung Experimentelle Diabetologie, Deutsches Institut für Ernährungsforschung, Potsdam-Rehbrücke
Einordnung der Studie
„Ich bin doch etwas enttäuscht von der Studie, weil ich mir erhofft hatte, dass mit ihr der Erkenntnisstand zum Intervallfasten klarer zusammengefasst wird. Die Autor:innen haben zwar keine Interessenkonflikte, aber es scheint, dass sie propagieren wollen, dass Intervallfasten keine gute Strategie zum Abnehmen und für die Gesundheit ist.“
„Die ausgewählten Studien sind extrem heterogen. Sie schließen beispielsweise Personen im Alter von 18 bis 80 Jahren ein. In sieben der 22 Studien sind nur Frauen betrachtet worden, in einer nur Männer, in den übrigen beide Geschlechter. Nun stellen wir immer mehr fest, dass Frauen und Männer gesundheitlich sehr unterschiedlich auf Therapien und Interventionen reagieren – deshalb können diese Studien nur bedingt miteinander verglichen werden.“
„Eine große Studie, die in das Review mit aufgenommen wurde, wurde mit 1700 Leuten an sieben unterschiedlichen Orten der Welt (Europa, Asien und Südamerika) durchgeführt. Aufgrund der unterschiedlichen Herkunft, Kultur und Genetik ist es auch nicht überraschend, wenn die Reaktion auf eine Fasten-Intervention sehr unterschiedlich ausfällt.“
„Das Review beinhaltet Studien mit verschiedenste Fastenformen, wie 10:14, alternate day-fasting, die 5:2-Diät (Begriffserklärungen im Glossar; Anm. d. Red.), zum Teil im Vergleich mit einfacher Kalorienrestriktion sowie Studien mit unterschiedlichen Interventionsdauern von sechs bis zwölf Monaten. Darüber fließen Daten sowohl von übergewichtigen als auch adipösen Proband:innen ein. Wenn ein adipöser Mensch drei Prozent seines Körpergewichts verliert, ist das natürlich viel mehr, als wenn ein übergewichtiger Patient drei Prozent verliert. Darüber hinaus litten ein Großteil der Personen in den verschiedenen Studien noch an weiteren Erkrankungen wie Typ-1- oder Typ-2-Diabetes, Fettleber, Nierenerkrankung oder anderen Erkrankungen. Auch in diesem Aspekt ist die Untersuchungsgruppe sehr heterogen.“
„Diese Personen wurden in der vorliegenden Arbeit alle gemeinsam betrachtet und in dieser Gruppe wurde dann nach Effekten gesucht.“
Kein Effekt von Intervallfasten beim Abnehmen?
„Diese Aussage kann nicht einfach getroffen werden. Der Verlust von drei Prozent Körpergewicht ist nicht wenig und kann einen sehr positiven Effekt beispielsweise auf den Blutdruck und den Glucosestoffwechsel haben.“
Bisherige Evidenzlage
„Es gibt einige strikt kontrollierte Studien – zum Beispiel mit nur einem Geschlecht oder einem ausgeglichenen Männer-Frauen-Verhältnis – darin wurden durch das Fasten positive Ergebnisse erzielt, vor allem, wenn die Proband:innen während des Intervallfastens weniger Kalorien zu sich nahmen.“
„Aus Tierstudien mit adipösen, diabetesanfälligen Modellen ist bekannt, dass sich eine Intervallfasten-Diät positiv auf die Langerhans-Inseln und somit auf den Blutzuckerspiegel wirkt, selbst wenn die Tiere in der Fressphase alles aufholen und ebenso viel fressen, wie ihre adipöse Vergleichsgruppe, die keiner Intervallfasten-Diät ausgesetzt ist. Das können wir beim Menschen nicht testen, aber es ist davon auszugehen, dass die Erkenntnisse übertragbar sind.“
Intervallfasten als Mittel zur Gewichtsreduktion
„Eine Intervallfasten-Diät ist vor allem für Patient:innen mit Prädiabetes interessant. Letztendlich sollten aber jede Patientin und jeder Patient entscheiden, mit welcher Intervention das Ziel einer Gewichtsabnahme erreicht werden kann. Nicht jede Intervention kann für jede:n gut sein und eine solche Diätform muss kontinuierlich eingehalten werden, um Erfolg zu erzielen.“
„Wenn man stark abnehmen möchte, also 20 bis 30 Prozent, dann reicht Intervallfasten nicht. Mit Intervallfasten sind nur etwa drei bis sieben Prozent Verlust an Körpergewicht zu erreichen, der allerdings auch gesundheitsrelevant ist. Hat man ein ambitionierteres Ziel, muss eine medikamentöse oder operative Therapie durchgeführt werden.“
Leiterin der Forschungsgruppe Obesity and Metabolism an der School of Medicine, College of Health, Adelaide University, Australien
Einordnung der Studie
„Zu diesem Thema gibt es Dutzende von Metaanalysen, die zu ähnlichen Ergebnissen gekommen sind. Intervallfasten führt zu ähnlichen Gewichtsverlusten wie andere moderate Kalorienrestriktions-Maßnahmen zur Gewichtsreduktion – in der Regel etwa sieben Prozent nach sechs bis zwölf Monaten in beiden Gruppen. Dieser durchschnittliche Gewichtsverlust ist über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten sehr häufig. Eine höhere Gewichtsabnahme lässt sich durch eine sehr kalorienarme Diät (10 bis 15 Prozent des Körpergewichts), eine Pharmakotherapie (15 bis 20 Prozent) und durch chirurgische Eingriffe (über 20 Prozent) erzielen.“
„Das Cochrane-Review kombiniert viele Formen des intermittierenden Fastens, was ein Fehler ist. Es gibt viele Arten des Intervallfastens, die hinsichtlich der Gewichtsabnahme nicht gleichwertig sind und nicht miteinander vermischt werden sollten. Einige der eingeschlossenen Studien schließen auch Menschen mit Diabetes ein, die in der Regel schwieriger abnehmen können – selbst mit Semaglutid.“
„‚Time restricted eating‘ (TRE) ist eine mildere Maßnahme als Intervallfasten – es sieht eine tägliche Zeitbeschränkung von zwei bis drei Stunden vor, was zu einer Reduzierung von etwa 300 Kilokalorien pro Tag und einem Gewichtsverlust von zwei bis drei Kilogramm über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten führt – sofern es nicht zusätzlich zu anderen Diäten angewendet wird. TRE-Studien vergleichen in der Regel das TRE mit einer Kontrollgruppe ohne Intervention oder mit einer Änderung der Ernährungsqualität. Es gibt Hinweise darauf, dass sich die Gesundheit trotz des geringen Gewichtsverlusts verbessert, weil sich die circadianen Rhythmen besser angleichen. Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen – weitere Studien sind erforderlich.“
„Beim Intervallfasten oder ‚alternate day fasting‘ (ADF) wird die Energie an zwei oder drei Tagen pro Woche um 75 bis 100 Prozent eingeschränkt wobei an den anderen Tagen normale Essgewohnheiten bestehen bleiben. Die meisten Studien vergleichen dies mit einer moderaten Kalorienreduktion von 20 bis 30 Prozent über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten, einige davon mit einer dritten Gruppe, die eine ‚Standardbehandlung oder Kontrolle‘ erhält. In den meisten Studien, in denen Kalorienrestriktion mit Intervallfasten verglichen wird, zeigen beide Gruppen einen Gewichtsverlust von etwa fünf bis sieben Prozent und ähnliche Verbesserungen hinsichtlich der Risikofaktoren für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“
Kein Effekt von Intervallfasten beim Abnehmen?
„Für mich ergibt die Behauptung der Autorinnen und Autoren keinen Sinn, dass Intervallfasten denselben Effekt wie Nichtstun habe (Behauptung zwei), angesichts der Behauptung eins, dass es genauso gut ist wie andere Maßnahmen zur Gewichtsreduktion.“
„Intervallfasten führt zu einem statistisch signifikanten Gewichtsverlust. In den sechs Studien, die für Behauptung zwei ausgewertet wurden, führte intermittierendes Fasten zu einem um etwa 3,4 Prozent höheren Gewichtsverlust als die ‚Kontrollgruppe‘ erreichte. Das ist an sich schon klinisch bedeutsam – beispielsweise betrachten die NICE-Richtlinien drei Prozent als bedeutsam, während die US-Richtlinien fünf Prozent als Richtwert verwenden. Viele der Kontrollteilnehmenden in diesen Studien verloren jedoch immer noch etwa zwei Prozent, sodass der tatsächliche Gewichtsverlust mit Intervallfasten eher bei fünf Prozent liegt.“
„Behauptung zwei stützt sich nur auf sechs Studien, verglichen mit 21 Studien in Behauptung eins. Von diesen sechs Studien verwendeten zwei eine zeitlich begrenzte Ernährung, die in der Regel zu einem geringeren Gewichtsverlust führt, und eine Studie umfasste nur einen Fastentag pro Woche, was ebenfalls weniger Auswirkungen haben dürfte. Damit bleiben nur drei Studien zum Intervallfasten übrig. In einer dieser Studien wurde nur die 18-monatige Nachbeobachtung berichtet, während der primäre Zeitpunkt nach sechs Monaten, zu dem die Teilnehmer die Diät durchführten, ausgelassen wurde. In dieser Studie betrugen die Unterschiede zwischen Intervallfasten und Kontrolle etwa fünf Prozent Gewichtsverlust gegenüber der ‚Kontrolle‘.“
„Die Art der Kontrollgruppe ist entscheidend. Einige der Kontrollgruppen waren nicht vollständig inaktiv oder standen auf einer Warteliste – sie erhielten einige Informationen und Anleitungen zur Gewichtsreduktion. Dadurch verringert sich der offensichtliche Unterschied zwischen Intervallfasten und Kontrolle.“
Intervallfasten als Mittel zur Gewichtsreduktion
„Zur Bewertung der Evidenz kann man entweder die Ergebnisse einzelner Studien betrachten oder diese in einer Metaanalyse kombinieren. Intermittierendes Fasten ist eine bewährte Alternative zur kontinuierlichen Kalorienrestriktion über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten. Sowohl Intervallfasten/ADF als auch Kalorienrestriktion führen in der Regel zu einer Gewichtsabnahme von etwa sieben Prozent, wenn zusätzlich eine Ernährungsberatung angeboten wird. Zeitlich begrenztes Essen ist ein moderaterer Ansatz, der in der Regel zu einer Gewichtsabnahme von etwa drei Prozent führt – es sei denn, das Essensfenster wird weiter verkürzt oder mit anderen Ernährungsstrategien kombiniert.“
„Vielen Menschen fällt es sehr schwer, ihr Gewicht länger als zwölf Monate zu halten, egal welchen Ansatz sie verfolgen. Das liegt daran, dass der Körper über biologische Mechanismen verfügt, die nach einer Gewichtsabnahme eine erneute Gewichtszunahme begünstigen. Beispielsweise sinkt der Spiegel von Sättigungspeptiden und anderen Hormonen, die für ein Sättigungsgefühl sorgen. Der Leptinspiegel sinkt ebenfalls, wodurch der Energieverbrauch sinkt, und Hungerhormonspiegel, wie der von Ghrelin wieder steigen. Infolgedessen kehrt das Gewicht oft nach einem Jahr zurück, unabhängig davon, ob jemand eine kalorienreduzierte Diät oder intermittierendes Fasten befolgt hat. Sport und Medikamente zur Gewichtsreduktion können helfen, das Gewicht zu halten, indem sie diesen biologischen Signalen entgegenwirken.“
Direktor des Instituts für Evidenz in der Medizin, Universitätsklinikum Freiburg, und Direktor von Cochrane Deutschland, Cochrane Deutschland Stiftung, Freiburg
Robustheit der Methode
„Die Methodik des Reviews entspricht den üblichen, hochwertigen Cochrane-Standards: Es gibt eine klar definierte Fragestellung, ein vorab definiertes Review-Protokoll, eine umfassende Datenbanksuche (inklusive Studienregister), sowie eine doppelt unabhängige Studienauswahl und Datenextraktion. Die Qualität der einzelnen eingeschlossenen Studien wurde nach strengen Cochrane-Vorgaben mit Hilfe des so genannten RoB2-Tools bewertet – und die Vertrauenswürdigkeit der Gesamtevidenz nach dem GRADE-System bewertet. Methodik und Ergebnisse werden entsprechend der PRISMA 2020 Standards transparent berichtet.“
„Die Methodik des Reviews ist also insgesamt robust und entspricht den hohen Cochrane-Qualitätsstandards.“
„Eine besondere Herausforderung bei der Durchführung des Reviews war neben der Sichtung zahlreicher Publikationen (über 18.000) insbesondere auch, dass Ergebnisdaten sehr unterschiedlich berichtet wurden und entsprechend vereinheitlicht werden mussten. Sechzehn Studien konnte wegen fehlender Informationen noch nicht eindeutig klassifiziert werden. Diese Studien können daher gegebenenfalls erst zukünftig berücksichtigt werden. Die Einbeziehung dieser und weiterer laufender Studien könnte die Ergebnisse künftig verändern.“
Mehrwert des Reviews
„Der Review hat die umfangreiche weltweite Studienlage systematisch gesichtet und ausgewertet. Damit liefert er jetzt einen Gesamtüberblick über das derzeit verfügbare Wissen.“
„Auf dieser Basis liefert er zum einen Hinweise dafür, dass Intervallfasten für übergewichtige und adipöse Menschen beim Abnehmen ähnlich wirksam zu sein scheint wie andere Diätformen. Zur Wahrheit gehört aber auch: Es handelt sich dabei bislang nur um Hinweise, nicht um einen Beweis – das heißt, wir können die Wirksamkeit von Intervallfasten noch nicht mit ausreichender Sicherheit beurteilen. Gemäß dem GRADE-System wird die Vertrauenswürdigkeit dieses Ergebnisses als ‚niedrig‘ eingestuft.“
„Zum anderen legt der Review nahe, dass Intervallfastende über sechs bis zwölf Monate wahrscheinlich mehr Gewicht verlieren im Vergleich zu Menschen, die ihre Ernährung nicht aktiv ändern – nämlich im Mittel 3,4 Prozent. Dieses Ergebnis ist moderat vertrauenswürdig – was im GRADE-System der zweithöchsten Stufe entspricht. Klinische Leitlinien empfehlen für Menschen mit Übergewicht und Adipositas allerdings einen Gewichtsverlust von mindestens fünf Prozent.“
Auf die Frage, inwiefern Cochrane Reviews, die eigentlich belegen, dass es für ein Thema noch nicht genug Evidenz gibt, journalistisch beworben werden sollten:
„Ob zu den Ergebnissen eines Reviews etwa durch eine Pressemitteilung breit kommuniziert werden sollte oder nicht, hängt aus unserer Sicht primär davon ab, ob das Thema sehr relevant ist oder nicht. Gerade wenn ein Thema breit diskutiert oder eine Maßnahme als Hype gehandelt wird, ist es sinnvoll und wichtig, die wissenschaftliche Datenlage darzustellen und darauf hinzuweisen, wenn es noch keine ausreichend verlässliche Evidenz für eine Wirksamkeit gibt. Wichtig ist bei der Darstellung der Review-Ergebnisse aber selbstverständlich, mögliche Unsicherheiten und Limitationen in der Evidenzbasis zu benennen und zu beschreiben.“
„Ich erhielt in den vergangenen Jahren für eigene Studien projektbezogene Fördermittel des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung e.V. (DZD), der Deutschen Diabetes Gesellschaft, vom Almond Board of California, der California Walnut Commission, der Wilhelm-Doerenkamp-Stiftung, projektbezogene Sachmittel von J. Rettenmaier & Söhne und Beneo Südzucker. Ich war/bin beteiligt an Studien, die vom DZD, von AstraZeneca, von Boehringer Ingelheim, vom FEI, der EU oder der EFSD gefördert werden. Ich erhielt persönliche Zuwendungen (für Tagungsvorträge und zugehörige Reisekosten) von Lilly Deutschland, Sanofi, Berlin Chemie, Boehringer Ingelheim und der JuZo-Akademie.“
„Keine.“
„Keine Interessenkonflikte.“
Alle anderen: Keine Angaben erhalten
Intervallfasten (allgemein)
Ernährungsstrategie mit regelmäßig wechselnden Essens- und Fastenphasen. Der Fokus liegt auf dem Zeitpunkt der Mahlzeiten.
Alternate Day Fasting (ADF)
Fasten im Wechselrhythmus: ein Tag normale Nahrungsaufnahme, der nächste Tag stark reduzierte Kalorien oder vollständiges Fasten. Relativ intensive Methode.
Eat-Stop-Eat
Ein- bis zweimal pro Woche ein komplettes 24-Stunden-Fasten, zum Beispielvon Abendessen zu Abendessen. Kein tägliches Zeitfenster erforderlich.
14:10-Methode
Täglich 14 Stunden Fasten und 10 Stunden Essenszeit. Häufige Einstiegsvariante.
16:8-Methode
Täglich 16 Stunden Fasten und 8 Stunden Essensfenster. Weit verbreitete Standardform.
5:2-Methode
Wöchentliches Schema: fünf Tage normale Ernährung, zwei Tage stark reduzierte Kalorienzufuhr (circa 500 bis 600 Kilokalorien).
Time-Restricted Eating (TRE)
Oberbegriff für zeitlich begrenztes Essen innerhalb eines festen täglichen Zeitfensters, ohne zwingend Kalorien zu zählen. Beispiele sind 14:10 oder 16:8. Fokus liegt auf einem konsistenten Essensrhythmus.
One-Meal-a-Day (OMAD)
Sehr kurzes Essensfenster mit nur einer Mahlzeit pro Tag (typisch sind ein bis zwei Stunden). Entspricht einer Fastenphase von etwa 22 bis 23 Stunden und gilt als fortgeschrittene, restriktive Variante.
Primärquelle
Garegnani LI et al. (2026): Intermittent fasting for adults with overweight or obesity. Cochrane Database of Systematic Reviews TBD. DOI: 10.1002/14651858.CD015610.pub2.
Literaturstellen, die von den Expert:innen zitiert wurden
[1] Khalafi M et al. (2025): Longer-term effects of intermittent fasting on body composition and cardiometabolic health in adults with overweight and obesity: A systematic review and meta-analysis. Obesity Reviews. DOI: 10.1111/obr.13855.
[2] Semnani-Azad Z et al. (2025): Intermittent fasting strategies and their effects on body weight and other cardiometabolic risk factors: systematic review and network meta-analysis of randomised clinical trials. The BMJ. DOI: 10.1136/bmj-2024-082007.
[3] Wang B et al. (2025): The impact of intermittent fasting on body composition and cardiometabolic outcomes in overweight and obese adults: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Nutritional Journal. DOI: 10.1186/s12937-025-01178-6.
[4] Panagiotou K et al. (2024): The Effect of Time-Restricted Eating on Cardiometabolic Risk Factors: A Systematic Review and Meta-Analysis. Nutrients. DOI: 10.3390/nu16213700.
Dr. Stefan Kabisch
Studienarzt in der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin (Deutsches Zentrum für Diabetesforschung / DZD), Campus Benjamin Franklin (CBF), Charité – Universitätsmedizin Berlin
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Ich erhielt in den vergangenen Jahren für eigene Studien projektbezogene Fördermittel des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung e.V. (DZD), der Deutschen Diabetes Gesellschaft, vom Almond Board of California, der California Walnut Commission, der Wilhelm-Doerenkamp-Stiftung, projektbezogene Sachmittel von J. Rettenmaier & Söhne und Beneo Südzucker. Ich war/bin beteiligt an Studien, die vom DZD, von AstraZeneca, von Boehringer Ingelheim, vom FEI, der EU oder der EFSD gefördert werden. Ich erhielt persönliche Zuwendungen (für Tagungsvorträge und zugehörige Reisekosten) von Lilly Deutschland, Sanofi, Berlin Chemie, Boehringer Ingelheim und der JuZo-Akademie.“
Prof. Dr. Annette Schürmann
Sprecherin und Vorstandsmitglied des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) sowie ehemalige Leiterin der Abteilung Experimentelle Diabetologie, Deutsches Institut für Ernährungsforschung, Potsdam-Rehbrücke
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Keine.“
Prof. Leonie Heilbronn, PhD
Leiterin der Forschungsgruppe Obesity and Metabolism an der School of Medicine, College of Health, Adelaide University, Australien
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Keine Interessenkonflikte.“
Prof. Dr. Jörg Meerpohl
Direktor des Instituts für Evidenz in der Medizin, Universitätsklinikum Freiburg, und Direktor von Cochrane Deutschland, Cochrane Deutschland Stiftung, Freiburg