Reaktionen zum Abschluss der COP17
im armenischen Jerewan ist die 17. Weltbiodiversitätskonferenz zu Ende gegangen
seit dem 19.10. hatten die Vertragsstaaten über die Umsetzung des Globalen Biodiversitätsrahmens von Kunming-Montreal und die Finanzierung des Naturschutzes debattiert
laut Forschenden sei es wichtig, dass die Vertragsstaaten Probleme bei der Erreichung der Biodiversitätsziele benannt haben, allerdings wurden auch keine neuen und ambitionierter Maßnahmen beschlossen
Die 17. UN-Biodiversitätskonferenz (COP17) ist am 31.10.2026 zu Ende gegangen. In der armenischen Hauptstadt Jerewan verständigten sich die Delegierten nach Verhandlungen in der Verlängerung auf mehrere zentrale Beschlüsse. In einer Pressemitteilung des Sekretariats der UN-Biodiversitätskonvention (CBD) heißt es, die Vertragsstaaten hätten knapp 50 Beschlüsse gefasst. Zentrales Ergebnis sei der sogenannte Yerevan Pathway, der Prioritäten bis 2030 festlege, darunter den Abbau naturschädlicher Subventionen, mehr Unterstützung für Entwicklungsländer und eine stärkere Überprüfung der Fortschritte. Zudem einigten sich die Staaten auf Arbeitsregeln für ein neues ständiges Gremium, das Indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften mehr Mitsprache geben soll. Trotz dieser Schritte sieht das Bundesumweltministerium in einer ersten einordnenden Pressemitteilung (31.10.2026) „noch viele Hausaufgaben für den internationalen Naturschutz“.
Im Zentrum der Konferenz stand die erste Bestandsaufnahme zur Umsetzung des Globalen Biodiversitätsrahmens von Kunming-Montreal. Dieser wurde 2022 von den 196 Vertragsstaaten beschlossen und formuliert 23 Handlungsziele für das Jahr 2030 sowie vier übergeordnete Ziele für 2050 . Das bekannteste davon ist das sogenannte 30x30-Ziel: Bis 2030 sollen mindestens 30 Prozent der weltweiten Land-, Binnengewässer-, Küsten- und Meeresflächen wirksam geschützt werden . Bereits im Vorfeld der Konferenz war ein UN-Bericht zu dem Schluss gekommen, dass die Anstrengungen der Vertragsstaaten bislang nicht ausreichen, um die Ziele für 2030 zu erreichen . Die 18. Konferenz wird im Jahr 2028 in Ecuador stattfinden.
Leiter des Zentrums für Biodiversitätsmonitoring und Naturschutzforschung sowie stellvertretender Generaldirektor am Standort Bonn, Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels, Bonn, und Professor für Biodiversitätsmonitoring, Universität Bonn
Schwierigkeiten bei der Zielerreichung und zu geringe Finanzmittel
„Insgesamt ist es zu begrüßen, dass die Vertragsstaaten die Schwierigkeiten beim Erreichen der Biodiversitätsziele für 2030 benannt haben und zum engagierteren Handeln auffordern. Ich freue mich, dass es am Ende eine Abschlusserklärung gab, auf der konkrete Mittel für den Schutz der Artenvielfalt zugesagt wurden. Die 1,8 Milliarden US-Dollar sind allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein, angesichts des extremen Reichtums, der sich andernorts derzeit in anderen Wirtschaftssektoren angesammelt hat. Auch beinhalten die finanziellen Zusagen keine verbindlichen Verpflichtungen einzelner Staaten.“
Konkrete Maßnahmen fehlen
„Wirklich konkrete, starke Maßnahmen fehlen – insbesondere fehlen konkrete Ziele zum Schutz der Natur und der Biodiversität, abgesehen davon, dass man weitermachen will wie bisher. Es gibt auch kaum konkrete Beschlüsse zum Abbau biodiversitätsschädlicher Subventionen wie zum Beispiel im Bereich der Agrarsubventionen oder Subventionen für fossile Energieträger. Solche Subventionen machen mehrere hundert Milliarden US-Dollar pro Jahr aus, während für die Biodiversität gerade einmal 1,8 Milliarden errungen werden konnten. Zwar wurde beschlossen, dass 500 Milliarden US-Dollar solcher Subventionen abgebaut werden sollen, jedoch ohne konkreten Zeitplan.“
Treiber des Biodiversitätswandels bestehen weiter
„Die eigentlichen Treiber des Biodiversitätswandels – vor allem Landnutzung, Übernutzung von Ressourcen und Klimawandel – bleiben aber bestehen, so dass es fast unmöglich sein dürfte, die Ziele bis 2030 zu erreichen.“
„Es wurde zwar betont, dass nun stärker auf die Ziele hingearbeitet werden muss, jedoch fehlen wirklich konkrete Maßnahmen, damit dies auch geschieht. Gerade im Bereich der Landnutzung wäre es hier dringend nötig, gegenzusteuern und biodiversitätsfreundliche Landschaften und Siedlungsräume anzuzielen.“
wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Energie-, Umwelt- und Seerecht (IfEUS), Universität Greifswald, und Referentin beim Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU)
Erfolge der COP17
„Der öffentliche Fokus liegt gegenwärtig auf der Finanzierung und dem Global Review des gemeinsamen Fortschritts in der Umsetzung des Globalen Biodiversitätsrahmens (Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework, KMGBF). Von Fachkreisen – insbesondere auch der biodiversitätsbezogenen Grundlagenforschung – wurden jedoch auch andere Themen der COP17 aufmerksam beobachtet. Dazu gehört auch die weitere Ausgestaltung eines multilateralen Mechanismus für die Nutzung digitaler Sequenzinformationen genetischer Ressourcen (DSI), um dem dritten Ziel der Konvention, dem gerechten Vorteilsausgleich, Rechnung zu tragen. Hier konnte in der letzten Verhandlungsnacht eine Einigung erzielt werden, die jedenfalls sicherstellt, dass in der Periode bis zur nächsten Vertragsstaatenkonferenz die Weiterentwicklung des multilateralen Mechanismus im Rahmen einer formalisierten Arbeitsgruppe fortgesetzt wird. Ob das überhaupt gelingen würde, war bis weit in die Freitagnacht hinein nicht klar.“
Schutz der marinen Biodiversität
„Aus einer umfassenderen völkerrechtlichen Perspektive waren unter anderem die Verhandlungen zum marinen Biodiversitätsschutz und zum Verhältnis von Biodiversität und Klimawandel wesentlich. Hier spielt die Bezugnahme auf relevante Übereinkommen neben der CBD (Convention on Biological Diversity; Anm. d. Red.) eine Rolle. In den Verhandlungen zur marinen Biodiversität war die textliche Referenz auf das UN-Hochseeschutzabkommen (BBNJ), das im Januar dieses Jahres in Kraft getreten ist, hochumstritten. Insbesondere Russland hat sich gegen die Bezugnahme auf das Abkommen verwehrt. Die kleinen Inselstaaten (Small Island Developing States, SIDS), wie Vanuatu und Tuvalu – unterstützt unter anderem von der EU (die EU-Mitgliedstaaten sprechen auf der Vertragsstaatenkonferenz mit einer Stimme) Chile und Kanada – haben bis zuletzt immer wieder betont, dass das Abkommen zum Schutz der hohen See für sie von existenzieller beziehungsweise höchster Relevanz ist und dies entsprechend unter der CBD gespiegelt werden sollte.“
Einige Staaten verhindern Beschluss zu Biodiversität und Klima
„Auch mit Bezugnahmen auf die Klima-Gutachten des Internationalen Gerichtshofs (IGH) und des Internationalen Seegerichtshofs (ITLOS), welche jedenfalls den Beschluss zu Biodiversität und Klima in einen größeren, nicht nur umweltvölkerrechtlichen Kontext gestellt hätten, konnte die Mehrheit der Staaten nicht durchdringen. Aufgrund des im Rahmen der Verhandlungen unter den Rio-Konventionen angewendeten Konsensprinzips, das keine Mehrheitsentscheidungen zulässt, mussten sie letztlich der Haltung Russlands und auch Saudi-Arabiens nachgeben, um überhaupt Beschlüsse zu erzielen. Gerade eine starke Bezugnahme auf BBNJ hätte aber mit Blick auf die im Januar 2027 stattfindende erste BBNJ-Vertragsstaatenkonferenz ein starkes Signal senden können.“
Format der Vertragsstaatenkonferenzen
„Tatsache ist, dass immer mehr, teilweise technisch sehr komplexe Themen, wie die Ausgestaltung des multilateralen Mechanismus für die Nutzung digitaler Sequenzinformationen genetischer Resourcen, als offizielle Agenda Items fortgesetzt auf der Tagesordnung der Vertragsstaatenkonferenz stehen. Die Verhandler:innen haben damit immer komplexere Themen in einem Zeitraum von knapp zwei Wochen zu bearbeiten. Erschwerend kommt hinzu, dass insbesondere kleine Entwicklungsländer oft nur mit minimal besetzten Delegationen anreisen können. Diese müssen sich dann in kleineren Arbeitsgruppen, sogenannten Kontaktgruppen zu besonders strittigen Themen, die teilweise parallel stattfinden, aufteilen. Damit wird auch die vorbereitende Arbeit in der zweijährigen Periode zwischen den Vertragsstaatenkonferenzen immer wichtiger. Insofern ist es durchaus von Bedeutung, dass die Staaten sich in Bezug auf einige Themen wenigstens auf die Gestaltung dieser Arbeitsprozesse einigen konnten.“
Professor in der Forschungsgruppe Politics of Technology, Department of International Relations, Vilnius University, Litauen
Eindrücke zur COP17
„Die Resultate sind besser als erwartet, wobei das nicht viel bedeuten muss. Gegen Ende der Konferenz hatte es erhebliche Zweifel gegeben, ob wir es überhaupt schaffen, die verschiedenen Tagesordnungspunkte abzuarbeiten. Insofern ist der erfolgreiche Abschluss ein erfreuliches Ergebnis.“
„Bei mehreren Schlüsselthemen wurden allerdings diverse wichtige Entscheidungen in UN-üblicher Manier schlichtweg vertagt. So wird ein Großteil der kontroversen Aspekte der Verhandlungen zu Digitalen Sequenzinformationen (DSI) jetzt in verschiedene Arbeitsgruppen ausgelagert, die dann die Vorarbeit für die COP18 leisten. Das ist an sich nichts Außergewöhnliches, gerade bei DSI ist aber mein Eindruck, dass wenig gelöst und sehr viel verschoben wurde. Hinzu kommt, dass der übergeordnete politische Kontext zunehmend problematisch ist: Die Europäische Union ist zunehmend isoliert, und einige Länder wie Panama oder auch Russland blockieren kategorisch, was ihnen in irgendeiner Weise nicht passt.“
„Dieses Verhalten wird vom ‚Globalen Süden‘, wiederum aus politischen Gründen, weithin toleriert. Das macht alles zunehmend schwieriger. Exzellent war dagegen das Konferenzmanagement durch Armenien. Die nächste COP findet in Ecuador statt.“
„Ich habe nicht an der COP17 teilgenommen. Es bestehen keine Interessenkonflikte.“
„Ich habe als Delegierte der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für die AG Access and Benefit Sharing der Ständigen Senatskommission für Grundsatzfragen der biologischen Vielfalt (SKBV) die Verhandlungen in der zweiten Woche der Vertragsstaatenkonferenz beobachtet.“
„Ich war Mitglied der litauischen Delegation.“
Weiterführende Recherchequellen
Science Media Center (2026): Was wird wichtig auf dem 17. Weltbiodiversitätsgipfel in Jerewan? Press Briefing. Stand: 14.10.2026.
Literaturstellen, die vom SMC zitiert wurden
[] Convention on Biological Diversity: 2030 Targets (with Guidance Notes). Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework. Webseite. Stand 31.10.2026.
[] Convention on Biological Diversity: 2050 Goals. Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework. Webseite. Stand 31.10.2026.
[] Convention on Biological Diversity: Target 3: Conserve 30% of Land, Waters and Seas. Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework. Webseite. Stand: 31.10.2026.
[] Convention on Biological Diversity (2026): State of Biodiversity Action: Global Report on Collective Progress in the Implementation of the Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework.
Prof. Dr. Christoph Scherber
Leiter des Zentrums für Biodiversitätsmonitoring und Naturschutzforschung sowie stellvertretender Generaldirektor am Standort Bonn, Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels, Bonn, und Professor für Biodiversitätsmonitoring, Universität Bonn
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Ich habe nicht an der COP17 teilgenommen. Es bestehen keine Interessenkonflikte.“
Catharina Caspari
wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Energie-, Umwelt- und Seerecht (IfEUS), Universität Greifswald, und Referentin beim Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU)
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Ich habe als Delegierte der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für die AG Access and Benefit Sharing der Ständigen Senatskommission für Grundsatzfragen der biologischen Vielfalt (SKBV) die Verhandlungen in der zweiten Woche der Vertragsstaatenkonferenz beobachtet.“
Prof. Dr. Florian Rabitz
Professor in der Forschungsgruppe Politics of Technology, Department of International Relations, Vilnius University, Litauen
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Ich war Mitglied der litauischen Delegation.“