Soziale Medien: X-Posts können Polarisierung verstärken
polarisierende Beiträge im X-Feed beeinflussen laut Studie Einstellung gegenüber politisch Andersdenkenden in den USA
mittels KI und Browsererweiterung sortierten die Autorinnen und Autoren unter anderem Posts zu parteipolitischer Feindseligkeit im Feed der Teilnehmenden neu, ohne dass Erlaubnis der Plattform nötig war
laut Expertinnen und Experte zeigt Studie, dass bereits kleine Veränderungen im Feed kurzfristige Auswirkungen auf Nutzende haben; Aussagen zu Deutschland und Langzeitwirkung seien jedoch nur bedingt möglich; Datenzugang durch Digital Services Act wichtig für Forschung, Anfrageprozess aber aufwendig und bürokratisch
Prominent in sozialen Medien platzierte Beiträge können kurzzeitig die gefühlte Distanz zwischen politischen Lagern verstärken. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam in einer US-amerikanischen Studie, die in der Fachzeitschrift „Science“ erschienen ist (siehe Primärquelle). Durch eine Browsererweiterung griffen die Autorinnen und Autoren auf die X-Feeds der Studienteilnehmenden zu. Die Teilnehmenden hatten dem zugestimmt, eine Erlaubnis der Plattform X war nicht nötig (siehe dazu auch Hintergrundinformationen unten).
Das Team untersuchte die Einstellungen von über tausend US-amerikanischen X-Nutzenden gegenüber politisch Andersdenkenden. Teilnehmende zählten sich selbst entweder zu den Demokraten oder den Republikanern. Die Untersuchung lief eine Woche im Juli und August 2024 während des Wahlkampfs der US-Präsidentschaftswahl. Zu Beginn und am Ende der Untersuchung beantworteten die Teilnehmenden Fragen zu ihren Gefühlen und Einstellungen gegenüber Politik und Demokratie. Unter anderem gaben sie auf einer Thermometerskala an, wie nah (warm) beziehungsweise entfernt (kalt) sie sich Zugehörigen der jeweils anderen Partei fühlten. Auch während der X-Nutzung beantworteten die Teilnehmenden immer wieder Fragen zu ihrem Gefühlszustand.
Wissenschaftliche Koordinatorin, Center for Advanced Internet Studies (CAIS), Bochum
Vorteil der Browsererweiterung
„Die Forschenden setzen mit dem randomisierten Feldexperiment und Kontrollgruppen im echten Nutzungskontext an und können kausale Aussagen zur Wirkung von Social-Media-Posts machen. Das spricht für eine hohe externe Validität der Ergebnisse. Der Einsatz des Browser-Add-ons erlaubt eine direkte, kontrollierte Veränderung des Feeds über einen vergleichsweise langen Zeitraum von zehn Tagen. Das geht über viele klassische Kurzzeit-Experimente hinaus. Die Studie wurde präregistriert, was Transparenz und Glaubwürdigkeit der Analysen erhöht.“
Limitationen der Studie
„Gleichzeitig bringt die Studie aber auch Einschränkungen mit sich. Die Stichprobe ist doppelt selektiv: Die Studie arbeitet mit aktiven US-Nutzer:innen der Plattform X. Die Plattform hat seit der Übernahme durch Elon Musk massive Nutzer:innen-Verluste und tiefgreifende algorithmische Eingriffe erlebt. Darüber hinaus sind die Teilnehmenden bereit und technisch in der Lage, ein Browser-Add-on zu installieren, welches dann auch noch nur auf den Browsern Chrome und Edge läuft.“
„Hinzu kommt eine strukturelle Schattenseite des Ansatzes: Ein Add-on, das Feeds in Echtzeit umsortieren und Inhalte hervorheben oder verbergen kann, lässt sich prinzipiell nicht nur zu Forschungs- und ‚guten‘ Zwecken nutzen. Sondern es birgt auch ein nicht zu unterschätzendes Missbrauchspotenzial als Propaganda- oder Zensur-Instrument.“
Bewertung der Definition für polarisierende Posts
„Das Scoring-System zur Identifikation politischer beziehungsweise affektiv polarisierender Posts erscheint im Grundsatz passend, um affektive Polarisierung zu untersuchen, weil es auf emotionale, parteipolitisch aufgeladene Inhalte zielt. Ein Post wird erst dann als antidemokratische Einstellung und parteipolitische Feindseligkeit (AAPA) gezählt, wenn mindestens vier von acht identifizierten problematischen Faktoren darin vorkommen. Das blendet subtilere Formen polarisierender Kommunikation wie sarkastische Abwertung oder Satire weitgehend aus und begrenzt die Reichweite der Schlussfolgerungen.“
Bewertung der Studienergebnisse
„Die Studie zeigt robuste, teils recht starke Effekte auf affektive Polarisierung in unterschiedlichen politischen Lagern, und zwar schon durch relativ kleine Veränderungen im Feed. Die Studie macht damit deutlich, dass schon kleine algorithmische Eingriffe messbar die Gefühle gegenüber der politischen Gegenseite verschieben. Das stützt die grundsätzliche Aussage: Feed-Sortierung ist nicht neutral, sie wirkt auf Emotionen und damit auf affektive Polarisierung.“
„Dass die Effekte bei Infeed-Messungen besonders stark sind, spricht dafür, dass Kontext, Unmittelbarkeit und Scroll-Situation eine große Rolle für die Wirkung der Posts spielen. Gleichzeitig finden sich keine Effekte auf antidemokratische Einstellungen. Das legt nahe, dass vor allem kurzfristige Emotionen und Lageridentitäten durch die Rezeption der Posts beeinflusst werden, weniger aber tief verankerte Überzeugungen.“
Übertragbarkeit auf Deutschland
„Auf Deutschland lassen sich die Ergebnisse nur eingeschränkt übertragen. Durch das vorherrschende Vielparteiensystem gibt es eine weniger ausgeprägte bipolare Lagerlogik. Außerdem spielt X im deutschen Medienalltag eine deutlich kleinere Rolle. Übertragbar ist eher der prinzipielle Mechanismus, dass schon kleine algorithmische Verschiebungen im Social-Media-Feed Gefühle gegenüber politischen Outgroups verstärken können.“
Vertretbarkeit der Feed-Sortierung
„Ich halte das Vorgesehen für eingeschränkt vertretbar, den Teilnehmenden ohne ihr konkretes Wissen gegebenenfalls polarisierende Beiträge prominenter anzuzeigen. Es ist nur dann vertretbar, wenn die Eingriffe in den Feed im Einwilligungsprozess wirklich klar benannt werden, die Risiken sauber abgewogen wurden und ein substanzielles Debriefing stattfindet.“
„Problematisch ist hier, dass Menschen gezielt und systematisch mit potenziell antidemokratischen, emotionalisierenden Inhalten konfrontiert werden, um ihre affektiven Reaktionen zu messen. Das unterscheidet sich qualitativ davon, dass ihnen solche Inhalte ohnehin ‚zufällig‘ im Alltag bei der Nutzung der Plattform begegnet wären.“
„Die Forschenden verweisen in der Schlussfolgerung auf mögliche potenziell demokratiefördernde Interventionen, die mit dem Tool möglich sind. Das heilt das aktuelle ethische Problem aber nicht. Zumal Plattformen angesichts ihrer ökonomischen Anreize – mehr Interaktion durch Empörung – wenig Motivation haben dürften, solche Interventionen großskalig umzusetzen. Und es bleibt offen, wie solche Interventionen auf individueller Ebene umgesetzt werden könnten.“
Abschätzung der Langzeitfolgen
„Die Studie kann zu Langzeitfolgen faktisch nichts Belastbares sagen, weil ihr Design nur kurzfristige Effekte erfasst: Über zehn Tage hinweg wurden Veränderungen in der affektiven Polarisierung und negative Emotionen gemessen. Diese fallen in der Erhebung nach dem Experiment bereits wieder schwächer aus. Der Effekt scheint also eher vorübergehend zu sein und mit der Zeit nachzulassen. Um Aussagen über dauerhafte Folgen treffen zu können bräuchte es Langzeitpanels mit wiederholter Feed-Manipulation oder Beobachtung.“
Zugang zu Forschungsdaten durch den Digital Services Act
„Über den Digital Services Act (DSA) können Forschende mittlerweile Daten großer Plattformen anfragen. Aber der Prozess ist sehr langwierig, bürokratisch und mit hohen Anforderungen an Unabhängigkeit und Datenschutz verbunden. Die Plattformen bleiben weiterhin ein Nadelöhr und können faktisch steuern, wann und welche Daten sie herausgeben. Daher ist kurzfristig nicht mit einem ‚Boom‘ aussagekräftiger Forschung zu den Auswirkungen sozialer Medien zu rechnen.“
Leiter der Nachwuchsforschungsgruppe Computational Social Science, Fachbereich Synergy of Systems, Center for Interdisciplinary Digital Sciences, Technische Universität Dresden
Vor- und Nachteil der Browsererweiterung
„Die Browsererweiterung ist innovativ und eine gute Möglichkeit, Interventionen plattformunabhängig in einer realistischen Umgebung zu testen. Diese Methoden kommen immer mit einem Kompromiss (Trade-off) zwischen ökologischer Validität – also Realismus – und experimenteller Kontrolle. Man verliert hier ein wenig Kontrolle, da die Inhalte der Teilnehmenden sehr unterschiedlich sind und man nicht weiß, in welchen Situationen die Inhalte angesehen werden. Dafür gewinnt man eine realistische Situation in einer real existierenden Plattform, welche wirklich genutzt wird.“
„Ein Nachteil hier ist, dass man auf externe Inhalte – also von anderen Teilnehmenden – zugreifen muss. Außerdem ist die Studiendauer begrenzt und man kann keine ganzen Gruppen, sondern nur Einzelpersonen testen. Ideale Möglichkeiten – also Langzeitexperimente und gruppenbasierte Versuche – bleiben momentan den Plattformen vorbehalten.“
Bewertung der Studienergebnisse
„Die Ergebnisse sind an sich nicht überraschend. Inhalte, die spaltend wirken sollen, haben eine spaltende Wirkung – und das auch noch in einem sehr polarisierten Land: Die Inhalte sprechen gegen den politischen Gegner oder die Demokratie an sich und erhöhen die negativen Gefühle dem politischen Gegner gegenüber. Man könnte für die Intervention sicherlich noch genauere Inhalte auswählen. Aber methodisch muss das ja auch in Echtzeit (real-time) funktionieren.“
„Die Effekte sind nicht riesig, aber bei einer kurzen Dauer ist das auch zu erwarten. Mich hätte das Gegenteil – also kein Effekt – eher überrascht. Auch gut zu sehen ist, dass der Effekt in beide Richtungen geht. Die Intervention wirkt also auch reduzierend.“
Übertragbarkeit auf Deutschland
„Auf Deutschland sind das Experiment und die Ergebnisse immer nur bedingt zu übertragen. Allein schon, weil wir kein Zweiparteiensystem haben und die Fremdgruppe (out-group) und die affektive Polarisierung für so ein Experiment nicht so einfach zu definieren wäre. Dass bestimmte psychologische Inhalte, die auf Spaltung abzielen, auch in Deutschland einen Effekt auf affektive Polarisierung haben, nehme ich allerdings schon an. Am besten wäre, so ein Experiment in anderen Ländern zu wiederholen.“
Vertretbarkeit der Feed-Sortierung
„Dass den Teilnehmenden ohne ihr konkretes Wissen gegebenenfalls polarisierende Beiträge prominenter angezeigt wurden, ist potenziell bedenklich. Allerdings sind auch hier wieder Trade-offs im Spiel. Einerseits wurde das Einverständnis (Consent) abgefragt und das Browser-Add-on installiert. Das heißt, Teilnehmende waren sich bewusst, Teil einer Studie zu sein. Außerdem gab es eine Nachbesprechung (Debriefing), welche eventuell die Effekte etwas gemindert hat.“
„Aber: Der Wahlkampf ist eine politisch wichtige Periode und die X-Posts sind per Definition als Feldexperiment Teil der alltäglichen Meinungsbildung. Daher sind solche Studien natürlich immer ethisch riskant, aber ein Trade-off, um realistisch zu sein. Für diese Studie hätte man auch ein stärker kontrolliertes Experiment außerhalb einer Wahlperiode machen können, aber man kommt nicht ganz darum herum. Ich bin mir auch nicht sicher, ob es notwendig ist, die Teilnehmenden im Unklaren bei der Intervention zu lassen, oder ob die Effekte auch bei voller Transparenz standhalten würden. Das wäre mein bevorzugtes Design.“
Abschätzung der Langzeitfolgen
„Zu Langzeitfolgen kann die Studie wenig sagen. Dazu ist insgesamt zumindest kausal auch wenig bekannt. Wir wissen vor allem, dass affektive Polarisierung mit der Nutzung von sozialen Medien korreliert, aber eben nicht aus Experimenten. Die Vermutung liegt aber nahe, dass es zu akkumulierten Effekten kommen kann.“
Zugang zu Forschungsdaten durch den Digital Services Act
„Der Datenzugang für Forschende durch den Digital Services Act (DSA) hat unbedingt das Potenzial, die Forschungslandschaft deutlich zu verbessern. Bis jetzt fließen nur öffentlich sichtbare Daten. Damit lassen sich nur Korrelationen wie die beschreiben, dass solch spaltende Inhalte mehr Interaktion (Engagement) als andere hervorrufen. Aber mit den neuesten Zugangsrechten sind auch nicht-öffentliche Daten möglich, was eventuell kausale Aussagen ermöglichen wird. Ein Beispiel für nicht-öffentliche Daten sind plattforminterne Änderungen am Algorithmus. Auch die Verknüpfung von Umfrage- und Social-Media-Daten wird einfacher sein. Solche Experimente werden aber aufwändig bleiben.“
Professorin für Digitalisierte Kommunikation und Nachhaltigkeit, Universität Hamburg
Vorteil der Browsererweiterung
„Das ist eine methodisch innovative Studie, die ihr Vorgehen sehr transparent und sorgfältig dokumentiert. Sie macht sich die neuesten Entwicklungen im Einsatz generativer Sprachmodelle für die Kategorisierung von Texten zu Nutze, um mögliche Auswirkungen der Empfehlungsalgorithmen sozialer Medien auf politische Einstellungen zu testen. Konkret testet sie die Auswirkungen auf affektive Polarisierung, also die Einstellung gegenüber der ‚Fremdgruppe‘ (Outgroup).“
„Der Vorteil der Vorgehensweise mit dem Browser-Add-On ist, dass dadurch erstmals eine experimentelle Variation des den Nutzenden angezeigten Feeds möglich ist. Das ist möglich, ohne dass die Studie von den sozialen Medienplattformen selbst oder in sehr enger Kooperation mit ihnen durchgeführt worden ist. Sprich, die Vorgehensweise ermöglicht erstmals eine unabhängige Evaluation.“
Nachteil der Browsererweiterung
„Zentraler Nachteil der Vorgehensweise ist sicherlich, dass die Aussagekraft dadurch beschränkt ist, dass sich die Studienteilnehmenden vermutlich in manchen Merkmalen systematisch von den der Gesamtmenge der X-Nutzenden unterscheiden. Aus anderen Studien wissen wir, dass über kommerzielle Anbieter rekrutierte Teilnehmende in den USA bis zu 25 Prozent ihrer Online-Aktivität auf den Webseiten von Befragungsinstituten verbringen. Es handelt sich also quasi um ‚Befragungs-Profis‘. Außerdem wird nur die X-Nutzung im quasi-professionellen Setting auf dem Desktop untersucht. Normalerweise erfolgt der größere Teil der Social-Media-Nutzung auf dem Smartphone. Das stellt die Effekte aber nicht grundlegend in Frage, dafür sind sie zu stabil.“
Übertragbarkeit auf Deutschland
„Der US-amerikanische Kontext unterscheidet sich sehr grundlegend vom deutschen Kontext, so dass die Ergebnisse nur sehr eingeschränkt übertragbar sind: Das Zweiparteiensystem und die Finanzierung und Gestaltung von Wahlkämpfen in den USA fördern Polarisierung in vielfacher Hinsicht. Das geringere Vertrauen in Medien und politische Institutionen, das Fehlen eines öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems, ein deutlich größerer Markt an ‚hyperpartisanen‘ Medien und eine deutlich höhere Nutzung sozialer Medien, Suchmaschinen und Portalen für politische Informationen tragen alle mit dazu bei, dass insbesondere die affektive Polarisierung in den USA sehr hoch ist.“
„In Deutschland lässt sich vergleichbares bisher nur deutlich weniger beobachten. Wenn man die Kategorisierung in Inhalte mit und ohne antidemokratische Einstellungen und parteipolitische Feindseligkeit (AAPA) auf X-Posts in Deutschland anwenden würde, wäre der Anteil in den Für-dich-Feeds vermutlich deutlich geringer – zumindest bei Nutzer*innen außerhalb der politischen Ränder.“
Vertretbarkeit der Feed-Sortierung
„Die Volkswirtschaftslehre (VWL) lehnt jede Täuschung der Teilnehmenden ab – nicht aus ethischen Gründen, sondern um die Aussagekraft der Studien nicht zu gefährden. In den Sozialwissenschaften ist es dagegen durchaus üblich, Teilnehmende erst am Ende des Experiments über den tatsächlichen Inhalt aufzuklären. In diesem Fall wäre es aber sicherlich besser gewesen, wenn die Forscher*innen den Teilnehmenden nach der Studie nicht nur eine Nachbesprechung (Debriefing) angeboten hätten, das leider nicht weiter erläutert wird. Sondern sie hätten auch anbieten können, dass die ‚Increased Exposure‘-Gruppe das Browser-Add-On noch zwei weitere Wochen im ‚Reduced Exposure‘-Setting nutzen kann, um die Effekte des Experiments wieder aufzuheben. Aus ethischer Sicht ist es durchaus problematisch, für Forschungszwecke die Einstellungen der Teilnehmenden gegenüber einer Bevölkerungsgruppe negativ zu verändern.“
„Ich habe keine Interessenkonflikte.“
„Ich habe keinen Interessenkonflikt.“
„Ich sehe keine Interessenkonflikte. Ich habe weder engere Verbindungen zu einem der Autor*innen der Studie noch zur beforschten Plattform X.“
Es ist schwierig, die genauen Auswirkungen sozialer Medien auf Nutzende zu messen. Um Experimente unter Realbedingungen auf den Plattformen selbst durchführen zu können, sind Forschende oft auf die Anbieter angewiesen. Oft kennen nur sie die genauen Empfehlungsalgorithmen und könnten Daten für die Forschung zur Verfügung stellen. Deshalb entwickeln manche Forschende eigene, kleinere Testplattformen. Darauf können sie Experimente unter kontrollierten Bedingungen durchführen. Allerdings ist die Aussagekraft dieser Experimente beschränkt: Oft sind die Ergebnisse nicht eins zu eins auf reale Plattforminteraktionen übertragbar. Die aktuelle Studie versucht diese Hürde durch die Browsererweiterung zu umgehen: Die Forschenden nutzen X als Plattform, können die Posts aber kontrolliert sortieren.
Der Digital Services Act (DSA) der Europäischen Union (EU) soll Forschenden zukünftig den Zugang zu Plattformdaten erleichtern [III]. Seit dem 29.10.2025 können Anträge dazu eingereicht werden.
Primärquelle
Piccardi T et al. (2025): Reranking partisan animosity in algorithmic social media feeds alters affective polarization. Science. DOI: 10.1126/science.adu5584.
Weiterführende Recherchequellen
Science Media Center (2022): Digital Services Act zur Regulierung großer Digitalkonzerne. Statements. Stand: 25.04.2022.
Science Media Center (2025): Regulierung sozialer Medien und Tech-Giganten. Pressbriefing. Stand: 12.05.2025.
Literaturstellen, die vom SMC zitiert wurden
[I] Bestvater S et al. (2022): Politics on Twitter: One-Third of Tweets From U.S. Adults Are Political – Methodology – Identifying political tweets from our sample of users. Pew Research Center.
[II] Voelkel JG et al. (2024): Megastudy testing 25 treatments to reduce antidemocratic attitudes and partisan animosity. Science. DOI: 10.1126/science.adh4764.
[III] Europäische Kommission (29.10.2025): New measures unlock access to data from largest online platforms to support research. Pressemitteilung. Aktualisiert am: 30.10.2025.
Dr. Josephine Schmitt
Wissenschaftliche Koordinatorin, Center for Advanced Internet Studies (CAIS), Bochum
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Ich habe keine Interessenkonflikte.“
Dr. Philipp Lorenz-Spreen
Leiter der Nachwuchsforschungsgruppe Computational Social Science, Fachbereich Synergy of Systems, Center for Interdisciplinary Digital Sciences, Technische Universität Dresden
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Ich habe keinen Interessenkonflikt.“
Prof. Dr. Katharina Kleinen-von Königslöw
Professorin für Digitalisierte Kommunikation und Nachhaltigkeit, Universität Hamburg
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Ich sehe keine Interessenkonflikte. Ich habe weder engere Verbindungen zu einem der Autor*innen der Studie noch zur beforschten Plattform X.“