Studie: Import von Vorprodukten spart Kosten für deutsche Industrie
Studie vergleicht für klimaneutrale industrielle Vorprodukte die Kosten einheimischer Produktion mit dem Import aus dem Ausland
Import aus europäischem Ausland könnte demzufolge geeigneter Kompromiss zwischen Kosteneffizienz und Resilienz der Lieferketten sein
Forschende bewerten Methodik als solide, ordnen modellierte Kostenunterschiede aber als gering ein; Verflechtung von Wertschöpfungsketten müsse beachtet werden
Der Import von klimaneutralen Vorprodukten aus dem europäischen oder außereuropäischen Ausland könnte einer Studie zufolge Kosten für die deutsche Industrie sparen. Die Studie, die im Fachjournal „Cell Reports Sustainability“ erschienen ist (siehe Primärquelle), betrachtet verschiedene Szenarien. Demnach würde die verarbeitende Industrie jährlich 4,1 Milliarden Euro oder 11,2 Prozent der Ausgaben für Vorprodukte einsparen, wenn sie die Vorprodukte und Wasserstoff aus anderen europäischen Ländern importieren könnte und nicht komplett aus Deutschland beziehen müsste. Bei einem globalen Import wären es 8,6 Milliarden Euro oder 23,3 Prozent Einsparungen.
Die Studie fokussiert sich auf Methanol, Ammoniak und sogenannten heißbrikettierten Eisenschwamm, ein Vorprodukt für die Herstellung von Stahl. Die Autoren nutzten ein Modell des europäischen Energiesystems mit Fokus auf Deutschland. Sie betrachteten eine zukünftige Industrie, die im Sinne der Ziele Deutschlands und der EU klimaneutral ist. Außerdem wurde die Annahme getroffen, dass die drei Vorprodukte auf Basis von grünem Wasserstoff hergestellt werden. Weil in Deutschland das Potenzial für konstante Erzeugung erneuerbarer Energien vergleichsweise klein ist und außerdem Flächenkonflikte eine große Rolle spielen, könnte die Erzeugung von Wasserstoff und darauf basierenden Produkten im Ausland günstiger sein.
Leiter des Fachgebiets Sustainable Technology Design, Institut für Thermische Energietechnik, Universität Kassel
Methodik der Studie
„Die Studie ist sehr solide gemacht und nutzt Methoden der Energiesystemmodellierung, die auf dem aktuellen Stand sind. Die Dimensionen der Ergebnisse sind sinnvoll – man muss aber beachten, dass die Berechnung der Kosten für klimaneutrale Vorprodukte mit großen Unsicherheiten behaftet ist.“
Einordnung der möglichen Einsparungen
„Die Studie kommt zu dem Schluss, dass deutsche Industriebetriebe 4,1 Milliarden Euro pro Jahr einsparen könnten, wenn sie künftig grüne energieintensive Vorprodukte aus Europa importieren, statt sie in Deutschland mit grünem Wasserstoff herzustellen. Bei einem Import aus Regionen außerhalb Europas mit besonders guten Potenzialen für erneuerbare Energieerzeugung wären es etwa 8,6 Milliarden Euro. Der Studie zufolge sind das 11,2 Prozent beziehungsweise 23,3 Prozent der Kosten für diese Vorprodukte. Bei den bestehenden Unsicherheitsbandbreiten solcher Modell-Analysen ist das nicht irrelevant, es ist aber auch nicht wirklich sehr viel. Selbst ein – im Modell solide begründeter – Kostenunterschied von 20 Prozent muss in einem solchen Kontext zurückhaltend eingeordnet werden.“
Auswirkungen unterschiedlicher Finanzierungskosten
„Hinzu kommt, dass die Studie in ihren Szenarien weltweit gleiche Finanzierungskosten für Investitionen annimmt. Einen Kredit für eine Investition in Namibia zu bekommen, ist aber deutlich teurer als einen Kredit für Deutschland. Durch intensive Kooperationen, an denen zum Beispiel die Bundesregierung ja auch arbeitet, lassen sich zwar die Finanzierungskosten in anderen Ländern senken, das ist aber insgesamt nicht trivial. Und die Autoren zeigen selbst: Würde man drei Prozentpunkte auf die Finanzierungskosten im außereuropäischen Ausland draufschlagen, wäre das Szenario mit europäischem Import fast so kosteneffizient wie das mit globalem Import.“
„Deshalb stellt sich für mich die Frage, ob die Studie nicht einen Scheingegensatz zwischen günstigeren und strategisch sichereren Importen aufmacht. Es ist natürlich immer sinnvoll, kosteneffiziente Wege bei der Produktion von klimaneutralen energieintensiven Produkten zu nutzen. Da die Kostenunterschiede aber voraussichtlich nicht so groß sein werden, lässt sich die Strategie, von wo importiert wird, aber auch gut anhand anderer Kriterien entwickeln. Es geht momentan vor allem darum, grüne Vorprodukte möglichst schnell hochzuskalieren. Dafür sollten wir jeden möglichen Weg möglichst schnell gehen. Im besten Fall haben wir dann am Ende eine gesunde Mischung aus Produktion in Deutschland und Europa mit Vorteilen für die Versorgungssicherheit und Importen aus dem außereuropäischen Ausland, die dann vermutlich etwas kostengünstiger sein werden.“
Kostensteigerung durch klimaneutrale Produktion
„Relevanter als die Kostenunterschiede zwischen den Regionen ist der Kostenunterschied zwischen grünen Vorprodukten und heutigen Vorprodukten, die auf fossilen Energien basieren. Ein zentrales Problem ist, dass grüner Wasserstoff noch sehr teuer ist. Das wirkt sich auf die weitere Produktionskette aus. Primärstahl, der mit grünem Wasserstoff produziert wurde, wird beispielsweise voraussichtlich 25 bis 50 Prozent teurer sein als der heute verwendete Stahl. Dies muss unter anderem durch die Schaffung grüner Märkte und gegebenenfalls sogar OPEX-Förderung aufgefangen werden, wenn wir es schaffen wollen, diesem weitgehend klimaneutralen Stahl zum Durchbruch zu verhelfen. Kostensenkungen durch den Import grüner Vorprodukte – in diesem Fall von Hot Briquetted Iron – sind da wichtig, lösen das Problem aber nicht allein.“
Strategische Bedeutung der Vorprodukte
„Die drei Vorprodukte, die in der Studie betrachtet werden, spielen unterschiedliche Rollen für die Industrie. Heißbrikettierter Eisenschwamm (HBI) wird für die Primärstahlerzeugung genutzt. Methanol ist ein sehr vielseitiger Grundstoff. Er wird sowohl als Ausgangsstoff in der Chemieindustrie gebraucht, kann aber auch leicht in Treibstoffe, wie grünes Kerosin oder Diesel für Traktoren umgewandelt werden. Ammoniak ist vor allem relevant für die Düngemittelherstellung und spielt damit auch eine Rolle für die Ernährungssicherheit. Bei allen drei Grundstoffen ist es mit Sicht auf die Resilienz sinnvoll, nicht den kompletten Bedarf zu importieren.“
Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
„Die Frage nach Arbeitsplätzen ist bei diesen Vorprodukten nicht so relevant, da die Herstellung nicht sehr personalintensiv ist. Die Frage ist dann eher, ob es realistisch ist, nur die Vorproduktion auszulagern und die weitere Verarbeitung in Deutschland zu halten. Da sehe ich noch Forschungsbedarf.“
Leiter der Abteilung Klimapolitik, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin, und Professor für Energie- und Klimapolitik, Technische Universität Berlin
Methodik der Studie
„Die Studie beruht auf einem beeindruckenden partiellen Gleichgewichtsmodell. Viele wichtige Faktoren werden in solch einem Modell jedoch nicht erfasst. Deswegen rechtfertig die Methodik nicht die Schlussfolgerung der Studie, dass eine Verlagerung von Grundstoffproduktion aus Deutschland zu Einsparungen und mehr Wettbewerbsfähigkeit führen würde.“
Nicht berücksichtige Kosten einer Verlagerung
„Bei einer Verlagerung von Grundstoffproduktion würden auch bei Technologieanbietern und Serviceprovidern Wertschöpfung, Innovationsmöglichkeiten und Arbeitsplätze verloren gehen. Maßnahmen, um derartige Verluste beim Kohleausstieg abzufedern hatten zu Kosten von 50 Milliarden Euro für den Bundeshaushalt geführt. Die Größenordnung dürfte übertragbar sein. Der Abschlussbericht der Kommission ‚Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung‘ geht für das Jahr 2018 von knapp 30.000 direkt Beschäftigten in Braunkohlewirtschaft und Steinkohlekraftwerken aus . Die Wirtschaftsvereinigung Stahl, die auch Veredelung beinhaltet, berichtet 80.000 direkt Beschäftigte.“
„Bei der Grundchemikalie Ammoniak teile ich die Einschätzung, dass in Zukunft durch den Import anstelle heimischer Produktion Kosten eingespart werden können. Ammoniak hat das Potenzial, wichtiger international gehandelter Energieträger zu werden. Es kann auf Schiffen einfacher und kostengünstiger verladen und transportiert werden als Wasserstoff. Dann macht der Import von Ammoniak mehr Sinn als der Import von Wasserstoff und die heimische Produktion von Ammoniak.“
„Dagegen bestehen bei Stahl große Risiken bei einer Verlagerung der Produktion in Drittstaaten. Das zeigte sich, als Thyssenkrupp 2005 plante, Brammen in Brasilien zu produzieren. Unterschätzte technische, regulatorische und organisatorische Herausforderungen führten zu einem Notverkauf und acht Milliarden Euro Abschreibungen.“
„Für Drittstaaten ist Produktion von Brammen (rechteckige Stahlblöcke, die als Vorprodukt verwendet werden; Anm. d. Red.) attraktiv als ein Einstieg in die Weiterverarbeitung von Stahl. Das ist nachvollziehbar, birgt zugleich aber Risiken für heimische Industriestandorte. Ohne Investitionen in diese Standorte drohen Qualitätseinbußen und steigende Kosten bei hochwertigen Stahlen. Das wiederum wäre eine Herausforderung für Maschinenbau und Automobilzulieferer in Deutschland. Der Verlust der einst erfolgreichen deutschen Photovoltaikindustrie verdeutlicht, welche wirtschaftlichen Kosten damit einhergehen können.“
Vorteile einer grünen Grundstoffproduktion in Deutschland
„Ein wichtiger Standortvorteil von Deutschland sind geringe Finanzierungskosten. Wenn diese berücksichtigt werden, dann schrumpfen im Modell vermeintliche Kosteneinsparungen einer nicht-europäischen versus einer europäischen Produktion um die Hälfte. Damit diese günstigen Finanzierungskosten bei der Industrieproduktion ankommen, müssten regulatorische Risiken vermieden werden. Die richtigen Antworten sind bereits heute bekannt: Dreiparteien-Energieverträge zwischen Erzeuger, Verbraucher und einer Regulierungsbehörde, die Verträge bündelt und Risiken streut, ermöglichen verlässlich bezahlbare Stromkosten . Klimaschutzverträge geben langfristige Erlösgarantien für CO2-Einsparungen.“
„Weiterhin können durch eine Stärkung der Kreislaufwirtschaft grüne Grundstoffe verstärkt aus Sekundärmaterialien erzeugt werden. Das reduziert zusätzlichen Energiebedarf, der im Modell andernfalls stark ansteigt und zu hohen Kostenanstiegen führt. Zugleich werden Energie- und Ressourcenimporte reduziert. Das stärkt die Resilienz in Europa und Deutschland. Angesichts der globalen Lage ist das dringend erforderlich.“
Voraussetzungen einer erfolgreichen Transformation
„Die Industrietransformation bedingt viele Veränderungen. Diese können nur gemeinsam mit Menschen, Unternehmen, und Industrieregionen gelingen. Deutschland hat die technologische Kompetenz, um solch eine Transformation erfolgreich zu gestalten. Es ist aber nicht das einzige Land mit diesen Kompetenzen.“
„Eine erfolgreiche Industrietransformation in Deutschland ist eine notwendige Voraussetzung, um bei unseren Handelspartnern Interesse und Vertrauen in die wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit mit Deutschland und Europa zu stärken. Deshalb sollten wir den eingeschlagenen Weg fortsetzen und den Wandel hin zu einer grünen Grundstoffproduktion ermöglichen – mit einer effektiven Reform des europäischen Emissionshandels und des Grenzausgleichsmechanismus sowie Klimaschutzverträgen.“
Lehrstuhl für Energiesystemökonomik, Institute for Future Energy Consumer Needs and Behavior, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH)
Relevanz der Studie
„Die Studie untersucht eine wichtige Frage für den Industriestandort Deutschland. Sollte Deutschland künftig Wasserstoff importieren und damit industrielle Vorprodukte selbst herstellen? Oder wäre es günstiger, bereits diese Vorprodukte aus dem Ausland zu beziehen? Untersucht werden Eisenschwamm für die Stahlproduktion, Ammoniak für die Düngemittelherstellung und Methanol für die chemische Industrie.“
Methodik der Studie
„Die Autoren setzen ein umfangreiches Energiesystemmodell ein. Dieses berücksichtigt auch die Auswirkungen auf die Energieversorgung und die Wasserstoffinfrastruktur.“
„Für die betrachteten Industrieprodukte ermitteln die Autoren mögliche jährliche Einsparungen von 4,1 Milliarden Euro bei europäischen und 8,6 Milliarden Euro bei weltweiten Importmöglichkeiten für Wasserstoff und Vorprodukte. Diese Zahlen beruhen auf Annahmen über ein zukünftiges klimaneutrales Energiesystem. Als Vergleich dient ein Szenario mit heimischer Wasserstoff- und Vorproduktproduktion.“
Nicht berücksichtige Kosten einer Verlagerung
„Eine stärkere internationale Arbeitsteilung kann wirtschaftlich durchaus sinnvoll sein. Allerdings werden mögliche Folgen für Arbeitsplätze, industrielle Wertschöpfung und technologisches Wissen nicht quantifiziert. Auch gesamtwirtschaftliche Folgewirkungen auf Zulieferunternehmen, Einkommen und andere Wirtschaftsbereiche bleiben unberücksichtigt. Auf die fehlende Berücksichtigung gesamtwirtschaftlicher Effekte weisen die Autoren selbst hin.“
Mögliche Auswirkungen auf nachgelagerte Produktion
„Damit bleibt auch offen, ob eine Verlagerung tatsächlich auf die energieintensiven Vorprodukte begrenzt bliebe. Der Verbleib der weiteren industriellen Verarbeitung in Deutschland wird im Modell vorausgesetzt. Auch Versorgungsrisiken werden nicht quantifiziert.“
Kosten und Nutzen umfassender vergleichen
„Für eine umfassende wirtschaftspolitische Bewertung müsste man daher Kosten und Nutzen genauer gegenüberstellen. Wie viel würde es kosten, bestimmte Produktionskapazitäten in Deutschland zu erhalten? Welchen wirtschaftlichen Nutzen hätte dies, insbesondere für die Versorgungssicherheit? Europäische Importe sind dabei nicht automatisch sicherer als weltweite. Entscheidend sind unter anderem die Vielfalt und Zuverlässigkeit der Lieferbeziehungen.“
Leiterin der Abteilung „Ressourcenstrategien“, Jülicher Systemanalyse, Forschungszentrum Jülich GmbH (FZJ)
Methodik der Studie
„Für die Studie werden verschiedene Modelle genutzt, mit einem optimierenden Energiesystemmodell als Kern. Die kombinierte Nutzung spezialisierter Modelle für die Studie ist positiv hervorzuheben. So können methodische Grenzen überwunden werden. Allerdings bleiben getroffene Annahmen, die wesentlichen Einfluss auf die Ergebnisse haben, teilweise unklar oder sind aufwendig nachzuvollziehen. Für Letzteres gibt es aktuell leider keine allgemein akzeptierte bessere Option bei komplexen Ansätzen.“
„Ergänzend kann man eine Reihe von exogen getroffenen Annahmen kritisch hinterfragen. Insbesondere gilt dies bezüglich ihrer konkreten Werte, die nicht tiefergehend im Paper begründet oder ausreichend beschrieben wurden, um vollständig nachvollziehbar zu sein. Hierzu zählen beispielsweise: nicht länderspezifische Weighted Average Cost of Capital (WACC) (Finanzierungskosten, zum Beispiel Kosten für einen Kredit; Anm. d. Red.), Schifftransport erfolgt nur mit Methanolantrieb, kein Erdgastransport, nur 2019 als Wetterjahr (Wettervariabilität unberücksichtigt), Wert für negative CO2-Emissionen für Deutschland, Transportkosten der Importe jenseits der Brennstoffkosten (können wesentlich werden), keine globale Konkurrenz um Exporte (wobei gut ist, dass ein Vorzug für lokale Nachfrage angenommen wird), konstante Eisenerzkosten (real starke globale Unterschiede).“
Einordnung der möglichen Einsparungen
„Die erzielbaren Kostenersparnisse hängen maßgeblich von den getroffenen Annahmen ab. Insbesondere die Annahmen zum WACC haben hier einen wesentlichen Einfluss. Die Standardannahme von sieben Prozent erscheint für Europa in der richtigen Größenordnung – wenn auch hier nationale Unterschiede vernachlässigt werden. Für Länder jenseits der EU ist dies so nicht gewährleistet. Hier können wesentlich größere Investitionsrisiken auftreten, die auch zu noch höheren WACC-Differenzen führen können, als in dem Sensitivitätstest der Studie angenommen wurden. Da allein die Sensitivität von zehn Prozent WACC den möglichen Kostenvorteil des Imports von außerhalb der EU schon stark beeinflusst, bleibt offen, wie groß der Kostenvorteil mit realen, länderspezifischen WACC bleibt.“
„Dennoch bleibt der Vorteil von geeigneteren Standorten für erneuerbare Energien außerhalb von Europa. Ob dieser die zusätzlichen Risiken von Importabhängigkeiten ausgleicht, bleibt eine offene Frage, die auch nicht im Fokus der Studie steht. Insofern ist die Studie ein guter erster Schritt, um sich der Frage zu nähern, wie sich die EU oder Deutschland auf sich verändernde globale Wettbewerbsbedingungen einstellen können.“
Unabhängigkeit und Arbeitsplätze
„Die Gefahr von Kaskadeneffekten, sprich der weiteren Abwanderung von nachgelagerten oder anderweitig vernetzten Industriesektoren ist in der Studie erwähnt und nicht deren Fokus. Die Verflechtung von Wertschöpfungsketten an Industriestandorten ist aber ein wesentlicher Aspekt bei dieser Frage. Hier wäre ein Ansatz essenziell, der sich unter anderem die erforderlichen Expertisevoraussetzungen anschaut und Folgewirkungen auf die europäische und deutsche Volkswirtschaft betrachtet. In diesem Kontext ist die Verlässlichkeit möglicher Importländer und Optionen zur Diversifizierung von ähnlich grundlegender Bedeutung. Leider nennt die Studie die Exportländer nicht explizit, obwohl diese Information in den Ergebnissen vorliegen müsste. Das erschwert eine Einschätzung an dieser Stelle.“
„Weiterhin handelt es sich bei dieser Studie um einen Greenfield-Ansatz, der heute existierende Infrastrukturen und Anlagen nicht berücksichtigt. Dies ist damit begründet, dass von diesen keine mehr zum Studienzeitpunkt bestehen würde. Dies vernachlässigt den Einfluss von Transformationspfaden inklusive der Optionen zur Nachrüstung von Anlagen. Unabhängig von diesen Einschränkungen bleibt die wichtige Erkenntnis, dass eine gemeinsame europäische Antwort auf die globalen Wettbewerbsherausforderungen große Chancen bietet.“
Wasserstoffinfrastruktur
„Die regionale Auflösung der Studie erlaubt hier nur eingeschränkte Aussagen, bringt aber den wichtigen Punkt auf, dass sich möglicherweise verändernde Industriestrukturen bei der Planung berücksichtigt werden müssen. Hier sind integrierte Analysen über alle Energieinfrastrukturen und eine große Bandbreite möglicher Szenarien erforderlich. Deren Annahmen sollten offen vorliegen und kritisch diskutiert werden.“
„Ich betreibe Drittmittelakquise zur Finanzierung meiner Forschung. Zu einem kleinen Teil stammen diese Mittel auch von Unternehmen der Grundstoffindustrie oder der Energiewirtschaft. Ich kann mich unbefangen zu der Studie äußern.“
„Ich habe mit einer Autorin der Studie bereits zusammen publiziert. Daraus erwächst aber für mich kein Interessenkonflikt und ich kann mich unbefangen zur Studie äußern.“
„Keine relevanten Interessenkonflikte.“
„Ich kooperiere mit einem der Autoren, kann meine Einschätzung zur Studie aber frei äußern.“
Primärquelle
Seibold T et al. (2026): Trade-offs between cost efficiency and import dependence in the green industrial transition. Cell Reports Sustainability. DOI: 10.1016/j.crsus.2026.100871.
Literaturstellen, die von den Expert:innen zitiert wurden
[] Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (2019): Abschlussbericht der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“.
[] Neuhoff K et al. (2025): Contracting Matters: Hedging Producers and Consumers With a Renewable Energy Pool. International Association für Energy Economics. DOI: 10.1177/01956574251325.
[] Neuhoff K et al. (2026): Industrial decarbonization in a fragmented world: Carbon pricing with border adjustments using standardized values. Energy Policy. DOI: 10.1016/j.enpol.2026.115405.
Prof. Dr. Stefan Lechtenböhmer
Leiter des Fachgebiets Sustainable Technology Design, Institut für Thermische Energietechnik, Universität Kassel
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Ich betreibe Drittmittelakquise zur Finanzierung meiner Forschung. Zu einem kleinen Teil stammen diese Mittel auch von Unternehmen der Grundstoffindustrie oder der Energiewirtschaft. Ich kann mich unbefangen zu der Studie äußern.“
Prof. Karsten Neuhoff, Ph.D.
Leiter der Abteilung Klimapolitik, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin, und Professor für Energie- und Klimapolitik, Technische Universität Berlin
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Ich habe mit einer Autorin der Studie bereits zusammen publiziert. Daraus erwächst aber für mich kein Interessenkonflikt und ich kann mich unbefangen zur Studie äußern.“
Prof. Dr. Aaron Praktiknjo
Lehrstuhl für Energiesystemökonomik, Institute for Future Energy Consumer Needs and Behavior, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH)
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Keine relevanten Interessenkonflikte.“
Prof. Dr. Heidi Heinrichs
Leiterin der Abteilung „Ressourcenstrategien“, Jülicher Systemanalyse, Forschungszentrum Jülich GmbH (FZJ)
Angaben zu möglichen Interessenkonflikten
„Ich kooperiere mit einem der Autoren, kann meine Einschätzung zur Studie aber frei äußern.“